Die Geschichte vom "Biker-Schild" !

Hier will ich Euch die Geschichte von meinem "Biker-Schild" erzählen, wie sie sich so bei uns zugetragen hat:

Alles fing damit an, daß mir im Kenia-Urlaub 1994 die Idee zu einer Werbetafel in den Kopf kam. Wer mich schon besucht hat weiß, daß unser Gasthaus zur Linde im Sommer von der großen Linde auf dem Lindenplatz fast vollständig verdeckt wird. Das Haus liegt etwas von der Straße zurückgesetzt im Schatten des Baumes und kann bei "flotter Fahrt" leicht übersehen werden.

Mausklick für großes Bild !
(Mausklick für großes Bild !)

Das Schild sollte also ortsunkundigen Bikern rechtzeitig vorher einen Hinweis auf unseren Motorrad-Treff geben. Ein Entwurf wurde angefertigt und an die Werkstatt unserer Freunde in Kenia geschickt. Das Resultat übertraf schließlich alle unsere Erwartungen - ein Meisterstück !

Original-Entwurf
Der Original-Entwurf

Es war mittlerweile Anfang 1995 geworden und mit einem Grundstückseigentümer einigten wir uns, daß das Schild (180x200cm) in seinem Garten aufgestellt werden könnte. Alle Pläne und Anträge lagen zur Genehmigung bei der Stadtverwaltung vor. Von Seiten des Straßenamtes und des Bauamtes gab es keine Einwände, so daß eigentlich einer Errichtung, 100m von der Linde an der Brücke Grünach (Richtung Freudenstadt) entfernt, nichts mehr im Wege gestanden hätte.
Doch plötzlich zog der Eigentümer seine schon erteilte Erlaubnis zurück. Der Grund lag wohl vor allem in den kontrovers geführten Gemeinderatssitzungen, welche dieses Schild als zu groß und nicht dem Dorfbild angepaßt erachteten. Also mußte kurzfristig eine andere Lösung her. Dazu baute ich das Schild auf einen Anhänger (siehe Zeitungsfoto), schob es jeden morgen auf einen Parkplatz vor der Sparkasse und abends wieder zurück. Das war nicht nur aufwendig und mühsam, sondern auch nicht im Sinne des Erfinders.
So verstrichen die Sommer 1995, 1996 und 1997 ohne das sich im Gemeinderat etwas für mich Positives bewegt hätte. Wir hatten eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben, bis sich die lokale Presse vom "Schwarzwälder Boten" der Geschichte annahm. Elmar König führte mit mir ein Interview und setzte dann, ohne mein Wissen, verschiedenste Hebel in Bewegung. Aber lest selbst, wie es sich weiterentwickelte:

Die Rettung für Lindenwirt Heitzmann naht

Biker-Schild soll nach jahrelangem Gerangel festen Platz finden / Sparkasse: Wir können uns Lösung vorstellen

Von unserem Redaktionsmitglied Elmar König

Oberwolfach. Ein Holzschild mit den Maßen 180 auf 200 Zentimeter erregt die Gemüter. "Lindenwirt" Klaus Heitzmann will damit an der L 96 Motorradfahrer aufmerksam machen. Seit Jahren gibt es Zank um das Schild. Nun könnte es einen festen Platz im Sparkassen-Areal finden.

"Schon seit zwei Jahren mache ich mit dem Schild rum", schüttelt Klaus Heitzmann den Kopf. Am Dienstag war der hölzerne Wegweiser wieder Thema einer Anfrage im Gemeinderat. Darf Heitzmann nun sein Schild an dem von ihm gewünschten Platz aufstellen oder nicht ?

Der Lindenwirt und Berthold Echle von der "Pension Grünach" bieten seit drei Jahren ein professionelles Programm für Motorradfahrer an. Dabei sind geführte Touren, Essen und Unterkunft inbegriffen. "Jeder Motorradfahrer hat ein Auto zuhause stehen", erzählt Heitzmann, "da kommen einige auch mit der ganzen Familie wieder, weil es ihnen in der Gegend so gut gefällt."

Mittlerweile ist das Angebot von "Touring und Relaxing" ein Geheimtip in Biker-Kreisen in ganz Deutschland, auf Motorradmessen in Dortmund und in Leipzig werben die Oberwolfacher gar mit einem eigenen Stand von 24 Quadratmetern. So erschließen sich neue Besuchertypen in einer Region, die von steigenden Besucherzahlen nicht verwöhnt ist.

Um auch Motorradfahrer anzusprechen, die zufällig durchs Wolftal fahren, hatte Heitzmann über seine Polio-Hilfsvereins-Kontakte nach Kenia dort ein Holzschild bauen lassen: "Einen Platz dafür hatte ich in einem Garten schon zugesagt". Doch daraus wurde nichts, der Grundstückseigentümer zog die Genehmigung zurück. Heitzmann baute das Schild auf einen Anhänger ("Das sieht nicht gut aus, ich weiß") und plazierte es auf einen Parkplatz vor die Sparkasse. Dort gefiel es aber weder einigen Bürgern noch der Gemeinde. Zu groß sei das Schild und unpassend.

Im Gemeinderat kämpfte nun Annemarie Knoche für das Schild: "Da muß man auch mal eine Ausnahme machen können". Emil Harter fragte sich, ob man sich so etwas ohne Gestaltungssatzung leisten könne und Hans-Gottfried Haas plädierte für eine einheitliche Lösung. Es wurde angeregt, den Gewerbeverein dazu zu hören.

Bürgermeister Jürgen Nowak wäre es das Liebste, wenn ein kleineres Schild schon ein paar 100 Meter vorher auf den Motorrad-Treff aufmerksam machen würde. Das liegt allerdings nicht im Sinne Heitzmanns: "Es gibt andere Schilder die schwarz erstellt wurden und wo niemand etwas dagegen hat." Für Heitzmann wäre der optimale Platz zwischen Parkplätzen und Sparkasse am Lindenplatz, eingerahmt von zwei dort stehenden Bäumchen.

Heitzmanns Rettung könnte nun von der Sparkasse Wolfach selbst kommen. Sparkassendirektor Ulrich Kniep sagte gestern auf Anfrage: "Wenn unsere eigene Präsentation von dem Schild nicht beeinträchtigt wird, könnte es grundsätzlich im Bereich der Sparkasse aufgebaut werden." Kniep möchte nun ein Gespräch mit der Gemeinde und mit Klaus Heitzmann anregen: "Wir gehen davon aus, daß eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann." Bürgermeister Nowak signalisierte: "Wenn die Sparkasse nichts dagegen hat, könnte das auch von Seite der Gemeinde so gehen."

"Schwarzwälder Bote", 1997

Auch einen Kommentar zum gleichen Thema möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Kommentar

Schild(bürger)?

(elk).Wie war das doch mit dem Propheten, der im eigenen Lande nichts gilt ? Die Gemeinden starren wie die Maus auf die Schlange, wenn die neuesten Übernachtungs- und Besucherzahlen vorliegen. Mal freut man sich über ein winziges Plus, eher aber grämt man sich über ein Minus. Daß man neue Ideen braucht, um neue Besucher anzusprechen, weiß man ja. Aber wehe, einer hat wirklich Mal eine Idee. Klaus Heitzmann und seine "Linde" in Oberwolfach sind mittlerweile ein Geheimtip für Motorradfahrer in ganz Deutschland. Sie kommen zu seinen geführten Touren, lernen die Gegend lieben, kommen auch mal wieder (mit Familie) - und erzählen vor allem überall von Oberwolfach und dem Kinzigtal. Das alles ist Werbung, die die Gemeinde keinen Pfennig kostet. Klappern gehört auch für Wirtsleute zum Handwerk und so will Heitzmann mit seinem Motorrad-Treff-Schild aus Holz an der Straße werben. Das muß er auch dürfen, sofern weder Straßenverkehr noch Fußgänger behindert werden. Hier geht es um mehr als um ein Schild. Es geht darum, wie man Initiativen begegnet. Jeder Bürokratie-Ballast ist da lähmend. Also: Ein fester Platz für das Schild sollte her, bevor man über Schild-Bürger zu lachen beginnt. Um so schöner, wenn die Sparkasse jetzt signalisiert: Das Schild könnte bei uns stehen.

Klaus Heitzmann und sein Schild:

Klaus Heitzmann und sein Schild: Bald könnte das Trauerspiel ein Ende haben und der Bikerhinweis könnte in den Sommermonaten seinen angestammten Platz gegenüber bei der Sparkasse finden.
"Schwarzwälder Bote", 1997, Foto: König

Und so wurde wirklich am 18.11.1997 das Schild, um den geschnitzten Rahmen verkleinert, an seinem neuen Platz vor der Sparkasse aufgestellt. Hier ein aktuelles Foto des Standorts:

Biker-Schild aktuell
Das Biker-Schild vor der Sparkasse

Um die Gemeinde von der Richtigkeit zu überzeugen, hatte ich Bürgermeister Nowak 1998 auf die Bikermesse nach Dortmund eingeladen. Er stammt ursprünglich aus Iserlohn, also einen Katzensprung von Dortmund entfernt.
Und siehe da, er kam. Das was er gesehen hat, muß Ihn wohl überzeugt haben, denn von diesem Tage an war auf einmal alles anders. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist nun als sehr positiv zu bezeichnen.

Es bewahrheitet sich wieder mal der Spruch: "Fehler sind dazu da, daß sie gemacht werden. Doch erst wer Fehler eingesteht und sie korrigiert, zeigt wahre Größe".

© Klaus Heitzmann, 03/1999

Seitenanfang (Bild-hoch)